Der digitale Produktpass der EU und die Erkennung von Fälschungen: Was Marken jetzt wissen müssen

Der digitale Produktpass der EU und die Erkennung von Fälschungen: Was Marken jetzt wissen müssen
Wenn Ihre Marke physische Produkte in der EU verkauft, haben Sie wahrscheinlich schon vom digitalen Produktpass (DPP) gehört. Die meisten Diskussionen darüber drehen sich um Nachhaltigkeitsberichte und Transparenz in der Lieferkette. Diese Sicht ist zutreffend, übersieht aber etwas Wichtiges für Markenschutzteams.
Die Kerninfrastruktur des DPP, eine eindeutige digitale Kennung für jedes registrierte Produkt, ist zugleich eine der bedeutendsten strukturellen Veränderungen bei der Erkennung von Fälschungen, die die EU seit Jahren eingeführt hat. Nicht weil sie als Instrument gegen Fälschungen gedacht war, sondern weil die Rückverfolgbarkeit, die sie schafft, Fälschungen leichter erkennbar macht und es erschwert, sie unbemerkt zu verkaufen.
Der entscheidende Punkt: Compliance und Durchsetzung laufen jetzt auf derselben Zeitachse. Marken, die die DPP-Bereitschaft als rechtliche Pflichtübung behandeln, ohne sie mit ihrer übergeordneten Markenschutzstrategie zu verbinden, verschenken eine echte Chance für die Durchsetzung.
Was der digitale Produktpass der EU tatsächlich ist
Der DPP ist ein digitaler Datensatz, der einem physischen Produkt zugeordnet ist. Er wurde mit der Verordnung (EU) 2024/1781 eingeführt, die auch als Ökodesign-Verordnung (ESPR) bekannt ist. Er speichert strukturierte Informationen über Herkunft, Materialien, Reparierbarkeit und Lebenszyklus eines Produkts und verknüpft diese Daten über einen maschinenlesbaren Datenträger wie einen QR-Code mit dem Produkt.
Das DPP-Register ist am 20. Juli 2026 in Betrieb gegangen. Jedes Produkt, das unter die Verordnung fällt, muss in dieser zentralen EU-Datenbank registriert werden, die für jeden Artikel eine eindeutige Registrierungskennung (Unique Registration Identifier, URI) erzeugt. Bei importierten Produkten kann diese Kennung beim Zoll geprüft werden. Bei Produkten, die in der EU hergestellt werden, ist die Registrierung erforderlich, bevor das Produkt in Verkehr gebracht wird.
Welche Branchen betroffen sind und wann
Die Einführung erfolgt schrittweise. Zu den wichtigsten Meilensteinen gehören:
- 2026: Erlass der Anforderungen für Eisen und Stahl
- 18. Februar 2027: Der DPP wird für bestimmte große Batterien verpflichtend, darunter Batterien für Elektrofahrzeuge und leichte Verkehrsmittel sowie Industriebatterien
- 2027: Erlass der Anforderungen für Textilien, Reifen und Aluminium
- 2028: Erlass der Anforderungen für Möbel
- 2029: Matratzen und IKT-Produkte
Textilien und Bekleidung gehören zu den frühesten vorrangigen Kategorien. Das ist besonders wichtig für Mode-, Sportbekleidungs- und Luxusmarken, die bereits mit großen Mengen gefälschter Produkte zu kämpfen haben.
Warum der DPP die Erkennung von Fälschungen verändert
Der DPP wurde nicht als Instrument gegen Fälschungen entwickelt. Die Europäische Kommission sagt das ausdrücklich. Die Infrastruktur, die er voraussetzt, schafft jedoch Bedingungen, unter denen gefälschte Waren sich deutlich leichter erkennen und beanstanden lassen.
Warum das in der Praxis wichtig ist:
- Jedes Originalprodukt erhält eine registrierte eindeutige Kennung. Ein gefälschtes Produkt kann per Definition keine legitime Kennung im DPP-Register haben. Diese Lücke wird zu einem überprüfbaren Signal.
- Zollbehörden erhalten einen Kontrollpunkt. Bei importierten Waren kann die Kennung an der Grenze überprüft werden. Produkte ohne gültige Registrierung können als verdächtig gekennzeichnet werden, bevor sie auf den Markt gelangen.
- Lieferkettendaten werden strukturiert und prüfbar. DPP-Daten halten fest, welche Akteure mit einem Produkt befasst waren und wie es sich durch die Lieferkette bewegt hat. Abweichungen von diesen Aufzeichnungen können auf umgeleitete Ware, Graumarktaktivitäten oder schlichte Fälschungen hindeuten.
- Verbraucher können Produkte überprüfen. Käufer können einen QR-Code auf einem Produkt scannen und, je nachdem, wie die Marke ihre Authentifizierung aufbaut, prüfen, ob der Artikel echt ist.
Die eigentliche Veränderung: Derzeit erfolgt die Durchsetzung gegen Fälschungen meist reaktiv. Ein gefälschtes Angebot erscheint, jemand meldet es, ein Entfernungsantrag wird eingereicht. Der DPP führt eine proaktive Authentifizierung direkt am Produkt ein. Das Fehlen eines gültigen Produktpasses wird damit zum Nachweis einer Rechtsverletzung statt nur zu einem Verdacht.
Das ersetzt die digitale Durchsetzung nicht. Es fügt eine neue Informationsebene hinzu, die die Durchsetzung schneller und belastbarer macht.
Wo der DPP allein nicht ausreicht
Der DPP schafft eine bessere Rückverfolgbarkeit auf Produktebene. Was er nicht leistet, ist die Überwachung der Online-Kanäle, über die gefälschte Waren tatsächlich verkauft werden.
Gefälschte Produkte warten nicht auf Zollkontrollen. Sie erscheinen in Marktplatzangeboten auf Amazon, Alibaba, Zalando und Temu. Sie tauchen in gefälschten Online-Shops auf, die Ihre Marke nachahmen. Sie werden über Fake-Accounts in sozialen Medien und betrügerische Anzeigen beworben. Nichts davon wird von einer Produktregistrierungsdatenbank erfasst.
Genau diese Lücke unterschätzen Marken regelmäßig. Die DPP-Compliance verschafft Ihnen bessere Beweise, wenn eine Fälschung gefunden wird. Sie findet die Fälschungen aber nicht für Sie.
Was eine wirksame Erkennung von Fälschungen tatsächlich erfordert
Marken brauchen eine aktive, fortlaufende Überwachung aller Kanäle, auf denen Missbrauch stattfindet. Das bedeutet:
- Kontinuierliches Scannen von Marktplatzangeboten auf gefälschte Produkte, nicht autorisierte Verkäufer und kopierte Produktbilder
- Erkennung gefälschter Online-Shops und Lookalike-Domains, die Ihren Markennamen ausnutzen
- Überwachung sozialer Plattformen auf Fake-Accounts und betrügerische Werbung
- Identifizierung von Graumarkt- und Parallelimportaktivitäten in Gebieten mit Vertriebsbeschränkungen
- Nachverfolgung desselben Verkäufers oder Netzwerks, das unter verschiedenen Namen auf mehreren Plattformen agiert
Der DPP kann die Beweisgrundlage für Durchsetzungsmaßnahmen stärken. Die eigentliche Erkennungsarbeit, also Fälschungen zu finden, bevor sie sich ausbreiten, erfordert jedoch ein eigenes, parallel laufendes Markenschutzprogramm.
Wie Remove.tech DPP-Informationen mit der Durchsetzung verbindet
Bei Remove.tech arbeiten wir mit Marken in ganz Europa und weltweit zusammen, um Markenmissbrauch im Internet zu erkennen und zu entfernen, darunter gefälschte Angebote, Fake-Shops, Fake-Accounts, nicht autorisierte Verkäufer und betrügerische Werbung.
Mit der Einführung des DPP werden die strukturierten Produktidentitätsdaten, die er erzeugt, zu einer stärkeren Grundlage für die Durchsetzungsmaßnahmen, die wir bereits umsetzen. So funktioniert das in der Praxis:
Erkennung auf mehr als 100.000 Plattformen
Unsere Plattform scannt rund um die Uhr mehr als 100.000 Websites, Marktplätze, Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Messenger-Dienste. Erscheint ein gefälschtes Angebot auf Amazon, Alibaba, Temu, Zalando oder einem regionalen Marktplatz, machen wir es nahezu in Echtzeit sichtbar. Derselbe Scan erfasst gefälschte Online-Shops, Lookalike-Domains und Imitationen in sozialen Medien.
Durchsetzung auf Identitätsebene
Die meisten Maßnahmen gegen Fälschungen stecken in einem Katz-und-Maus-Spiel fest: Ein Angebot wird entfernt, und derselbe Verkäufer startet unter einem anderen Namen neu. Wir begegnen dem, indem wir uns auf die Identität hinter dem Missbrauch konzentrieren und nicht nur auf das einzelne Angebot. Wir verknüpfen Accounts mit dauerhaften Identitätsmerkmalen. Kehrt derselbe Akteur in anderer Form zurück, erkennen wir das Muster und handeln.
Automatisierte Entfernungen mit menschlicher Validierung
Sobald eine Rechtsverletzung bestätigt ist, versendet unser System automatisch rechtliche Mitteilungen an nicht autorisierte Anbieter, lässt Inhalte aus Suchmaschinen deindexieren, entfernt Fake-Accounts von sozialen Plattformen und setzt Urheberrechte in Messenger-Diensten durch. Bei komplexen Fällen erfolgt vor jeder Maßnahme eine menschliche Prüfung.
Reporting in Echtzeit
Jede Durchsetzungsmaßnahme wird in einem Echtzeit-Dashboard dokumentiert, mit individuellen Berichten und Übersichten zu Trends bei Rechtsverletzern. Diese Dokumentation ist für die rechtliche Eskalation wichtig, und sie wird noch wichtiger, wenn Beweise aus dem DPP Teil der Durchsetzung werden.
Als offizielles Mitglied des Trusted Copyright Removal Program von Google hat Remove.tech bevorzugten Zugang zur Durchsetzung in der Google-Suche. Gefälschte Seiten verlieren so ihren Eintrag in den Suchergebnissen und damit ihre Sichtbarkeit bei Google.
Was Marken jetzt tun sollten
Das DPP-Register ist in Betrieb. Als erste verbindliche Frist greift im Februar 2027 die Pflicht für Batterien. Für Textilien soll der entsprechende delegierte Rechtsakt 2027 folgen. Das Zeitfenster, um sowohl die Compliance- als auch die Durchsetzungsinfrastruktur aufzubauen, wird kleiner.
Drei praktische Schritte, die Sie jetzt unternehmen sollten:
- Gleichen Sie Ihre Produktkategorien mit dem Zeitplan für den DPP ab. Klären Sie, welche Ihrer Produkte einen DPP benötigen werden und ab wann. Textilien, Batterien sowie Eisen und Stahl gehören zu den frühesten vorrangigen Bereichen.
- Prüfen Sie Ihre bestehenden Systeme für Authentifizierung und Rückverfolgbarkeit. Der DPP lässt sich möglicherweise in Ihre vorhandene Infrastruktur einbinden. Marken mit bestehenden Serialisierungs- oder Authentifizierungsprogrammen sind besser aufgestellt, um die DPP-Anforderungen zu erfüllen, ohne bei null anzufangen.
- Betreiben Sie Ihren Markenschutz parallel und nicht erst danach. Die DPP-Compliance macht eine aktive digitale Überwachung nicht überflüssig. Gefälschte Angebote, Fake-Shops und nicht autorisierte Verkäufer bleiben aktiv, unabhängig davon, was im Register steht. Erkennung und Entfernung müssen kontinuierlich laufen.
Wenn Sie bereits mit gefälschten Angeboten, nicht autorisierten Verkäufern oder Betrug auf Marktplätzen zu tun haben, ruht dieses Problem nicht, während Sie sich um die regulatorische Compliance kümmern. Beide Bereiche müssen gleichzeitig vorankommen.
Sprechen Sie mit einem Markenschutz-Experten von Remove.tech, um zu erfahren, wie wir Ihre Durchsetzung unterstützen können, während die DPP-Vorgaben schrittweise wirksam werden.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein digitaler Produktpass der EU?
Ein digitaler Produktpass (DPP) ist ein digitaler Datensatz, der über eine maschinenlesbare Kennung wie einen QR-Code mit einem physischen Produkt verknüpft ist. Er speichert strukturierte Daten über Herkunft, Materialien und Lebenszyklus eines Produkts und wird im zentralen DPP-Register der EU nach der Verordnung (EU) 2024/1781 (ESPR) registriert. Das Register ist am 20. Juli 2026 in Betrieb gegangen.
Ersetzt der DPP den Markenschutz und die Durchsetzung gegen Fälschungen?
Nein. Der DPP schafft Rückverfolgbarkeit auf Produktebene. Er überwacht weder Marktplätze noch soziale Plattformen noch Suchmaschinen auf gefälschte Angebote. Eine aktive digitale Durchsetzung muss parallel zur DPP-Compliance laufen.
Welche Produktkategorien sind zuerst betroffen?
Ab dem 18. Februar 2027 wird der DPP für bestimmte große Batterien verpflichtend, etwa für Batterien von Elektrofahrzeugen und leichten Verkehrsmitteln sowie für Industriebatterien. Für Textilien soll der entsprechende delegierte Rechtsakt 2027 erlassen werden, für Möbel 2028 und für Matratzen und IKT-Produkte 2029. Für diese Produktgruppen greifen die Pflichten jeweils erst nach einer Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten.
Wie unterstützt Remove.tech Marken, die mit gefälschten Produkten zu kämpfen haben?
Remove.tech scannt rund um die Uhr mehr als 100.000 Websites, Marktplätze, soziale Plattformen und Suchmaschinen. Sobald Rechtsverletzungen bestätigt sind, versendet unsere Plattform automatisch Entfernungsmitteilungen, lässt betrügerische Inhalte aus Suchmaschinen deindexieren und entfernt Fake-Accounts, wobei komplexe Fälle zusätzlich manuell geprüft werden.
Welche Arten von Fälschungen und Markenmissbrauch erkennt Remove.tech?
Remove.tech erkennt Angebote gefälschter und nachgeahmter Produkte, Fake-Shops und betrügerische Websites, gestohlene Produktbilder, Fake-Accounts auf sozialen Plattformen, nicht autorisierte Verkäufer, Graumarktaktivitäten, gefälschte Werbung und koordinierte Schutzrechtsverletzungen über mehrere Plattformen hinweg.
Kann Remove.tech bei der Durchsetzung gegen Graumarkt und Parallelimporte helfen?
Ja. Remove.tech markiert Verkäufer, die in Gebieten mit Vertriebsbeschränkungen tätig sind, identifiziert Wiederverkäufer, die mit bekannten Fälschungsaktivitäten in Verbindung stehen, und liefert die strukturierten Beweise, die für rechtliche Schritte oder kommerzielle Maßnahmen nötig sind.
Wie fange ich an?
Vereinbaren Sie ein Gespräch mit einem Markenschutz-Experten, um einen individuellen Schutzplan zu erhalten. Remove.tech arbeitet mit Marken in der EU und im Vereinigten Königreich, in Nord- und Südamerika, in Asien und in Südostasien.





